, Markus Manfred Jung/hn

8. - 10 April 2022: 32. Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt

32. Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt mit öffentlichen Veranstaltungen in Weil, Schopfheim und Basel 

Nach zwei Jahren erzwungener Coronapause treffen sich endlich zum 32. Mal die Freunde literarischer Mundart-Dichtung hier in der Region. Die „32. Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“ findet vom 08. bis 10. April 2022 wieder im gewohnten Rahmen statt. Erste öffentliche Lesung ist schon traditionell am Freitag, dem 08.04., 20h00, im Stapflehus in Altweil. Nach der Werkstattarbeit in der Stadtbibliothek Schopfheim am Samstag zum Thema Das Paradies auf Erden und dem Empfang im Rathaus ist abends um 20h00 der Auftritt in Sankt Agathen, Schopfheim-Fahrnau. Ebenso treten die Autorinnen und Autoren wieder am Sonntag, 11h00, in der Bibliothek der „Allgemeinen Lesegesellschaft Basel“, direkt neben dem Münster, auf. Es wird eine äußerst spannende Mischung von Dialekten zu hören sein, wenn zum Beispiel der Elsässische Liedermacher Daniel Muringer mit seinem urwüchsigen Alemannisch auf die junge Hotzenwälderin mit indischen Wurzeln, Sandhya Hasswani trifft, oder die Vorarlberger Österreicherin Astrid Marte auf den Nordbadener Thomas Liebscher mit seinem südfränkischen „Badisch“ oder den Innerschweizer Schauspieler und Autor Hanspeter Müller-Drossaart. 

Folgende Mundartautorinnen und –autoren sind diesmal dabei:

Sandhya Hasswani ist 1987 in Bad Säckingen geboren und lebt mit ihrer Familie in Herrischried auf dem Hotzenwald, wo sie auch aufgewachsen ist. Nach dem Abitur absolvierte sie ein journalistisches Studium und belegte zudem eine Zusatzausbildung in Kreativem Schreiben. Seit 2014 ist sie journalistisch tätig für die Tageszeitungen SÜDKURIER und Badische Zeitung. Auszeichnungen für ihr literarisches Schaffen erhielt sie unter anderem 2013 von der Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg für ihren Beitrag „Jugend auf dem Land“, beim Gerhard-Jung-Wettbewerb „Junge Mundart“ der Stadt Zell i.W. 2015 in der Sparte Lyrik und 2018 in der Sparte szenisches Spiel. 2021 ist sie außerdem beim Wettbewerb Lahrer Murre mit einem zweiten Preis in der Sparte Prosa geehrt worden. Bekannt geworden ist sie mit zwei Sagenkalendern (2017 und 18), mit dem Sagenbuch: Sagenhafter Hotzenwald (2020) und dem Mundart-Erzählband 
Chind un andri Ploge wo glücklich mache (2021). www.sandhy-schreibt.de

 

En Guete!


Letschtens, wo mir biim z Obeneh ghocket sin, frog i mi Maa: Isches au rächt?
Jo, Schatzili.
Hmm, wirklich? Isches nit eweng salzig?
Nei, Schatzi. Scho rächt.
I lueg ihn schief aa und säg: I sehs doch: S isch dir zu salzig! Kannsches ruhig säge!
I säg numme Holz. Und sage tu ich: es isch rächt!
Noch ner Wiil frogt er:
Channsch mir bittschön ebbis zum Trinke hole?
Also doch zu salzig!
Willsch du eigetlich immer rächt haa, oder ender höre, dass es rächt isch?
Am liebschte beides. Aber eigetlich will ich ne ehrliche Meinig!
Also: Du hasch rächt und für mich isch es rächt! Un jetz Paschta!
Pasta? De Herr will jetz Pasta, soso!
Basta, sag ich.
Scho rächt.

 

Astrid Marte, geboren 1958 in Satteins im österreichischen Bundesland Vorarlberg, ist Volksschullehrerin. Sie schreibt Lyrik und Kurzprosa in Schriftdeutsch und alemannischer Mundart. Für sie bedeutet Schreiben Kreativität, Lebensbewältigung und Mitteilung. Die Lyrik ist dabei ihr „Liebkind“, weil sie gerne singt. Gedichte sind für sie singbare Texte. Mit knappen, “ver-dichteten“ Worten kann sie Bilder malen, einen Rhythmus finden, eine Stimmung schaffen, in welcher der Leser mit ihr nachdenken, lieben, lachen, weinen oder toben kann. Für ihr Lyrikschaffen wurde sie schon mehrfach ausgezeichnet. Texte von ihr sind in mehreren Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Sie ist verwitwet, hat drei Kinder und sechs Enkelkinder. www.idi-dialekt.at

 

 

An Enkile

 

wenn dir

di Kind seet

dass as a Kind kriagt

gôhts im Sekundatakt

 

Sprôchvrluscht

Pulsstolperer

Hirnleere

Herzfülle

und an Umarmig zu dritt

 

denn a lange Lischta

Wenn und Abr

a schlôflose Nacht

Ogaränd am nöschta Môrga

 

und schô set dr Spiagl

Grüaß di Oma!

 

 

Thomas Liebscher, geboren 1961 in Bruchsal, ist aufgewachsen und hat „Dialekt gschwätzt“ im vorderen Kraichgau, im Ort Bad Schönborn.  Nach dem Abitur 1981 studierte er Germanistik und Politikwissenschaft in Freiburg, Heidelberg und Montpellier, spielte Theater und trat auf als Kabarettist. Er ist Redakteur bei der Tageszeitung Badische Neueste Nachrichten (BNN) in Karlsruhe, verantwortlich für Porträts, Kultur und Sport. Seit 2019 schreibt er in der Lokalredaktion Bruchsal. Zudem präsentiert er wöchentlich Mundartwendungen auf BNN Instagram und pflegt unregelmäßig die Rubrik „Badisch von unne un owwe“ mit Mundartbetrachtungen. Er lebt in Hockenheim. Inzwischen liegen von ihm einige Mundart-Gedichtbände vor, zuletzt, „S isch immer ebbes, awwer net wie’s sei soll“ (2005) und „Alderle!“ (2011). Außerdem ist er Herausgeber diverser Anthologien, z.B. „Nuffzus, nunnerzus, newedran“ (2015). Er erhielt zwischen 1994 und 2002 mehrfach einen nordbadischen Mundartpreis für Lyrik, den Pamina-Kulturpreis Baden (2003) und einen Preis für die beste Neuerscheinung beim pfälzischen Mundartdichterwettstreit in Bockenheim. Im Regierungsbezirk Karlsruhe ist er Mitorganisator und Juryvorsitzender des Wettbewerbs „Gnitzer Griffel“ und war 2019 Mitbegründer und seither Betreiber der Autorenplattform www.badische-gutsele.de 

 

Ufschnapsel: Im Café

 

Am schwierigschde ischs,

de richdiche Disch zu finne,

wenn alle frei sin.

 

Beim Griech

 

Sagt en Gascht beim Bestelle:

Un mei Fraa kriegt es Lamm-Hüfte.

Dodruf der Wert:Was alles gibt!

Wo lässt se des mache?

 

Heimat

 

Heimat isch dort,

wo mer spätoweds de Burmoschder anruft,

weil de Kanaldeckel wackelt. 

 

Hanspeter Müller-Drossaart wuchs als gebürtiger Obwaldner mit Nidwaldner Mutter in Uri auf, wurde nach der Maturität an der Schauspiel-Akademie Zürich zum Schauspieler und Theaterpädagogen ausgebildet und war mehrere Jahre am Theater am Neumarkt, am Schauspielhaus Zürich und am Wiener Burgtheater tätig. Er ist durch seine markanten Auftritte in TV- und Film-Produktionen (Lüthi & Blanc, Grounding, Die Herbstzeitlosen Sternenberg, der Keiler, Cannabis, etc.) sowie durch seine Tätigkeit als Vorleser und Hörspielsprecher bei Radio und Fernsehen (Literaturclub) einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Mit dem Musical Dällenbach Kari der Thunerseespiele feierte Müller-Drossaart in der Titelrolle große Erfolge. Seit 2014 ist er regelmäßig in der TV-Reihe Bozen-Krimi zu sehen. Als Autor übersetzte er Kleists Der zerbrochene Krug für die Sachsler Spielleute in die Mundart, verfasste mehrere Kabarett-Programme in diversen Schweizer Idiomen und legte 2015 seinen ersten Gedicht-band zittrigi fäkke im Obwaldner Dialekt sowie 2018 den Urner Lyrikband gredi üüfe vor. Im Oktober 2020 erschien im Wolfbach-Verlag eine zweisprachige Ausgabe dazu mit hdt. Parallel-Übersetzung unter dem Titel Steile Flügel. Neben der Gestaltung der Hauptrolle erweiterte und bearbeitete er im Sommer 2018 die Spielvorlage der Freilicht-Inszenierung Steibruch am Landschaftstheater Ballenberg. Seine Theaterfassung Eyses Heidi von Johanna Spyris Klassiker, in Nidwaldner Dialekt für das traditionsreiche Buochser Theater erwirkte 2020 unzählige ausverkaufte Vorstellungen. www.hanspeter-mueller-drossaart.com

 

 

Chrieg im grind

 

 

dr eint vergennd

em andere dr dräck

under de fingernegel

und dr ander wurd

disä verwirgge

wenn s gratis wär

 

niid as chriäg im grind

 

s uwätter blaast disem

s dach vu de schiir

verzeerd am andre 

d schtraass

so hed s beedne

ufe seckel gschniid

und s isch wider fride

 

ämel vorläifig

 

 

Daniel Muringer kam1953 in Mülhausen/Mulhouse im Elsass zur Welt. Er hat einen universitären Masterabschluss in Englisch. Von Kind an war er begeistert von Musik und erlernte viele Instrumente zu spielen, darunter Geige, Gitarre, die Duett Konzertina, eine Vorläuferin des Akkordeon, oder die Mandola. Bekannt wurde er vor allem als Mitglied der Gruppe GERANIUM, der er seit ihrer Gründung im Jahr 1975 angehört. Die Gruppe beschäftigt sich bis heute vor allem mit elsässischen Volksliedern. Sie hat durch ihr Sammeln und Vortragen dazu beigetragen, die traditionellen elsässischen Lieder am Leben zu erhalten und wider bekannt zu machen. Seit 1981 hat Daniel Muringer zahlreiche Bühnen-und Theatermusiken geschrieben. Auch mit Vertonungen von Texten wichtiger elsässicher Dichter, wie Nathan Katz, Emile Storck, Charles Zumstein, Victor Schmidt oder Toni Troxler, ist er hervorgetreten. Besonders interessiert ihn die enge Verbindung zwischen Liedern und der Geschichte des Elsass. Sein neuestes Programm ist „Mìlhusa in Riim un Gsàng“.
Unter zahlreichen Schallplatten und CDs der Gruppe Geranium sind zu nennen:
Mer derft se hett noch singa, Uff d’Kilwa zue, Tanz Maidla, tanz, Morgarot, Hampelmann oder Winterreesla.

http://daniel.muringer.pagesperso-orange.fr/;  http://geranium-alsace.com/;
http://www.sammle.org/fr/categorie/concert-geranium-les-40-un-eins

 

 

 

MAÏEKAFER 


Se senn als gfloge z’Nacht
Wie riesig kleine Starnle
Unter de Strosslaterne
In d’r Vollmondspracht.
Mer han se als vu da Baim drabgschittelt.
Wie Hagel senn se deno awegheit
E manker hamm’r schu e so verheit.
In Nastiacher igweckelt
In Kretzerladale igsperrt
Met Nodla duregstoche ass a noch schnüfe kenne.
Meinsch ! 

D’meischte sen jo schu verschreckt
Verreckt.


Verzeih es uns, Maïekafer.

 

 

 

 

 

 

Markus Manfred Jung, geboren 1954 in Zell im Wiesental, aufgewachsen in Lörrach, studierte Germanistik, Skandinavistik, Philosophie und Sport in Freiburg/Breisgau und Oslo/Norwegen. Er schreibt Prosa, Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele in Hochdeutsch und alemannischer Mundart. Er war Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium in Schopfheim, ist Schriftsteller und lebt mit der Malerin Bettina Bohn in Hohenegg, Kleines Wiesental. Mit ihr zusammen gab er den Bild-Gedichtband Schluchten von Licht heraus. Zuletzt erschienen Ankommen in Laufenburg, Texte, die er als 1. Burgschreiber zu Laufenburg geschrieben hat,  der vierte Glossenband wenn i e rebschtock wär und der zweisprachige „hybride“ Prosaband Nebelgischt – Vom Aufbrechen und Ankommen. Außerdem schuf er alemannische Nachdichtungen für die Kinderbücher Die Häschenschule, Wilhelm Buschs Max&Moritz und Sybille Olfers’ Etwas von den Wurzelkindern und zusammen mit Wendelinus Wurth Meine ersten tausend Wörter auf Alemannisch. Er begründete 1989 mit Thomas Burth die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“. www.markusmanfredjung.de

 

 

Hohenegg

 

über d Hörner her

dräut s

 

schwefelgääl aaglüüchtet

vo unten us de Holl

 

rueßigi wolke

wien e falschis gebätt

 

wien e fluech

so schnell

 

si schiebe sich

vor e hööchre himmel

 

wo grad no

hell im blau

 

es chunnt

 

 

Volker Habermaier, Oberstudiendirektor und Schulleiter des Georg-Büchner-Gymnasiums in Rheinfelden, Präsident des „Hebelbund Lörrach“, ist seit siebzehn Jahren Moderator der Literatur-Werkstatt und der Mund-Art Veranstaltungen. Der aus dem Schwabenland stammende Germanist und Historiker publiziert wissenschaftliche Aufsätze zu literarischen, historischen und musikalischen Themen. Zudem ist er Schulbuchautor und Verfasser fachdidaktischer Arbeiten, auch zur Mundartliteratur. 12 Jahre lang war er Mitglied der Hebelpreis-Jury. Er lebt mit seiner Familie in Schopfheim-Kürnberg.

 

 (mmj, zVg)