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31. Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt

Markus Manfred Jung 02.04.2019

31. Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt

mit öffentlichen Veranstaltungen in Weil, Schopfheim und Basel 

Nunmehr schon zum 31. Mal treffen sich die Freunde literarischer Mundart-Dichtung hier in der Region. Die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“ findet vom 12. bis 14. April 2019 wieder im gewohnten Rahmen statt. Erste öffentliche Lesung ist schon traditionell am Freitag, 20h00 im Stapflehus in Altweil. Nach der Werkstattarbeit in der Stadtbibliothek Schopfheim am Samstag zum Thema Heimatland! – Fluch oder Segenund dem Empfang im Rathaus ist abends um 20h00 der Auftritt in Sankt Agathen, Schopfheim-Fahrnau. Ebenso treten die Autorinnen und Autoren wieder am Sonntag, 11h00, in der Bibliothek der „Allgemeinen Lesegesellschaft Basel“, direkt neben dem Münster, auf. Es wird eine äußerst spannende Mischung von Dialekten zu hören sein, wenn zum Beispiel der Schwabe Olaf Nägele aus Esslingen auf den jungen Vorarlberger Alemannen Martin Lukas Blum trifft oder die Schweizer Slamerin Daniela Dill aus Basel auf das alemannische Liedermacher Duo Martin Lutz&Karl David aus Neuenburg am Rhein. Schullesungen und Werkstattarbeit mit Schülerinnen und Schülern finden am Georg-Büchner-Gymnasium in Rheinfelden und am Theodor-Heuss-Gymnasium in Schopfheim statt. Folgende Mundartautorinnen und –autoren sind diesmal dabei:  

Martin Lukas Blum, geboren1990 in Dornbirn im österreichischen Bundesland Vorarlberg, ist Magister der Theologie. Nach der Pflichtschulzeit bildete er sich fort an derHTL-Rankweil in Bautechnik und schloss mit Hochschulreife ab. Danach folgte ein Diplomstudium fürs Lehramt in den Fächern röm. kath. Religion und Deutsch in Innsbruck, Tirol. Er steht noch ganz am Anfang seines literarischen Schreibens in der Mundart, hat aber schon in Werkstätten und auf öffentlichen Lesungen mit seinen Texten aufhorchen lassen. 

Herzfür

S’Für isch a tolle Sach
brennt net zach
flämmlat und knackt
da ganza Tag i mir
verfolgt mir i d‘ Nacht
dia lodernde Pracht
I träg si vo Tür zua Tür
bis zur Herztür i mir
Hüt brennt’s do dinn
für des oane
moan für was anderes
Abr immer blieb i i minam Element
weil es i mir brennt und brennt    

 

Daniela Dill,
1982 in Liestal geboren, studierte Französische und Deutsche Literaturwissenschaftenan der Universität Basel. Während ihres Studiums spielte sie beim Jungen Theater Aarau und begann mit Auftritten als Slam-Poetin. Seit 2011 ist sie als Spoken-Word-Künstlerin, Organisatorin (u.a. U20 SLAM Basel, U20 SLAM Aargau) und Texterin tätig und gibt Poetry-Slam-Workshops an Schulen in der deutschsprachigen Schweiz. Ihre Texte wurden in diversen Anthologien, Magazinen, Radiosendungen und auf CD’s veröffentlicht, 2012 im Buch Herz Rhythmus Störungen(edition Baes). 2010 erhielt sie den Kulturförderpreis des Kantons Baselland und 2017 ein Literaturstipendium in Paris (Atelier Mondial). Von 2011-2016 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Dichter- und Stadtmuseum Liestal, seit 2019 ist sie Co-Leiterin des WORTSTELLWERK, Junges Schreibhaus in Basel. www.danieladill.ch 

 

Aus: Grüschteti Ärdbeeri 

[...] Letschts Joor um die Zyt seger jo in Salamanca gsi, het sie gsäit und „Jo, genau“, het sie gsäit, är häig äs Usstuschjohr gmacht, het sie gsäit und „Jo, genau“, het sie gsäit, das häig em guet t do, het sie gsäit und „Nänäi“, het sie gsäit, das häig em aso sehr guet do. Är seg dört e chly us sich uuse cho, het sie gsäit und „Jo, genau“ het sie gsäit, das tüeg dene Junge guet, het sie gsäit und „Nänäi“, het sie gsäit, das tüeg deene nume guet, het sie gsäit, e bitz ewäg vo dähei und vo der Fründin. Är seg jo scho lang mitere zäme, het sie gsäit, sie heiges aber guet, het sie gsäit und „Nänäi“, het sie gsäit, sie heiges sogar sehr guet mitenand, aber e chly Abstand seg mängisch ebe glych nit schlächt. [...) 

 

Olaf Nägele
1963 in Esslingen geboren, hat nach langjährigen Aufenthalten in München,Stuttgart und Hamburg den Weg in seine Heimatstadt zurückgefunden. Dort feilt derKommunikationswirt (KAH) an PR- und Werbetexten für seine Auftraggeber, verfasst alsJournalist Artikel für diverse Zeitungen und arbeitet als Redakteur bei der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Lust am Fabulieren und der Spaß, Geschichten zu erzählen, haben ihm zahlreiche Beiträge in Anthologien eingebracht, Hörspiele für den SWR folgten. Für seine Kurzgeschichte „Die Sache mit Gege“ erhielt er einen Ehrenpreis der Akademie Ländlicher Raum in Baden-Württemberg.www.olafnaegele.de 

Em Vorbeilaufa: Eine Seefahrt, die ist lustig

Familienidyll auf einem Schiff der Bodenseeflotte, auf dem Weg von Meersburg zur Insel Mainau. Die Sonne strahlt, eine angenehm kühle Brise streicht über die glitzernde Wasseroberfläche, das Außendeck ist gut besetzt. Ein älterer Herr studiert eine Landkarte, während sein Enkel über der Reling hängt, ins Wasser starrt und schließlich die Stille durchbricht.Enkel: „Du Opa? Gibt’s eigentlich graue Enta mit orangene Stroifa?“Opa (ohne aufzusehen): „Woiß i net. Kennt scho sei.“ Enkel: „Aber Enta mit Trageriema gibt’s net, oder?“Opa: „Was schwätzsch denn raus? Enta mit Trageriema gibt’s natürlich net.“Enkel: „Ond mit Außetascha?“Opa: „Au net.“Enkel: „I glaub, dann isch dein Rucksack ins Wasser ghagelt.“  

 

Martin Lutz,

geboren 1964 in Neuenburg am Rhein, schrieb seinen ersten  alemannischen Rocksong mit 16 Jahren. Von 1982 bis 1989 war er Sänger und Texter der Alemannen-Rock-Band „Hurlibue“, die damals mit ihrem engagierten Dialekt-Rock in der Musikszene zwischen Freiburg und Basel eine gewisse Bekanntheit hatte. Obwohl die Band ein Repertoire von über 60 Liedern hatte, gibt es aus dieser Zeit, außer zwei Beiträgen auf einer Newcomer-Rocksampler-LP, keine auf Tonträger veröffentlichten Aufnahmen. Mitte der 1990er Jahre veröffentlichte Martin Lutz eine Musik-Cassette mit dem Titel „Uff was willsch di vuloh...“, die 12 selbst geschriebene Songs mit christlichen Themen enthielt. Seit 2005 ist Martin Lutz nun wieder im Duo mit seinem Freund, dem Gitarristen Karl David, auch er ein ehemaliges Hurlibue-Mitglied, mit alemannischen Songs auf den Bühnen Südbadens unterwegs. Ihre Lieder handeln vom Leben und Lieben, badischen Desperados, Fernweh, von den Versuchen, das Leben jeden Tag auch wirklich zu spüren und von vielen anderen Themen. Die Texte der Songs werden zum allergrößten Teil von Martin Lutz geschrieben, während Karl David vor allem für den musikalischen Part zuständig ist. www.alemannischi-songs.de 

 

So zerbrechlich 
So zerbrechlich - kei Garantie,
im nächstä Augäblick ka alles andersch si.
So zerbrechlich - unser G’schick,
nit fir d’Ewigkeit, unser Läbä unser Glick
sin so zerbrechlich.
So vuwundbar - so fragil –
So schnell beditigslos - dini Winsch un dini Ziel.
So vuwundbar - Plän fir d’Katz –
Schicksalsschlag, wu in di Läbäinäplatzt –
So vuwundbar.
So vuletzlich - was uns sicher schient –
Nit isch selbstvuständlich oder irgendwe vudent.
So vuletzlich - we ä brichig Fundament,
nit, was vu hit uff morn nit andersch wärä kennt-
so vuletzlich.
So zerbrechlich - so zerbrechlich  

 

Markus Manfred Jung,

geboren 1954 in Zell im Wiesental, aufgewachsen in Lörrach, studierte Germanistik, Skandinavistik, Philosophie und Sport in Freiburg/Breisgau und Oslo/Norwegen. Er schreibt Prosa, Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele in Hochdeutsch und alemannischer Mundart. Er war bis vor kurzem Gymnasiallehrer in Schopfheim, ist Schriftsteller und lebt mit der Malerin Bettina Bohn in Hohenegg, Kleines Wiesental. Mit ihr zusammen gab er zuletzt den Bild-Gedichtband „Schluchten von Licht“ heraus. Außerdem schuf er alemannische Nachdichtungen für die Kinderbücher „Die Häschenschule“, Wilhelm Buschs „Max&Moritz“ und Sybille Olfers’ „Etwas von den Wurzelkindern“.  Er begründete 1989 mit Thomas Burth die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“. Er ist zur Zeit der 1. „Burgschreiber zu Laufenburg“ und eben erschien sein Kinderbuch „Meine ersten tausend Wörter auf Alemannisch“ (zusammen mit Wendelinus Wurth) im Tintenfaß-Verlag. www.markusmanfredjung.de  

heimet 
mir sage
dört un dusse
dänen unfurt
un meine 

di andre 

mir sage
doo
dinn un
heimet
mir meine 

uns 

 

Volker Habermaier,Studiendirektor und Schulleiter des Georg-Büchner-Gymnasiums in Rheinfelden,  Präsident des „Hebelbund Lörrach“, ist seit vierzehn Jahren Moderator der Literatur-Werkstatt und der Mund-Art Veranstaltungen. Der aus dem Schwabenland stammende Germanist und Historiker publiziert wissenschaftliche Aufsätze zu literarischen, historischen und musikalischen Themen. Zudem ist er Schulbuchautor und Verfasser fachdidaktischer Arbeiten, auch zur Mundartliteratur. Er lebt mit seiner Familie in Schopfheim-Kürnberg.  

(mmj, zVg)