Der diesjährige Hebeldank ging an unser Mitglied Yves Bisch

Ihm wurde für seine grossen Verdienste für die Sprache im Elsass das berühmte Schatzkästlein überreicht.

Den folgenden Text haben wir von der Webseite des Hebelbund Lörrach ( hebelbund.de ) übernommen: 

Der Elsässer Yves Bisch erhält den Hebeldank

Von Annemarie Rösch

Der Hebelbund hat den elsässischen Lyriker und französischen Prosaschriftsteller Yves Bisch mit dem Hebeldank ausgezeichnet. „Vieles verbindet ihn mit Hebel“, sagte Präsident Volker Habermaier bei der Verleihung des Preises am Sonntag, 10. Juli, im Dreiländermuseum in Lörrach. So ist Yves Bisch ebenso wie Hebel nicht nur ein Lyriker, sondern auch ein Pädagoge. „Gleich wird er das abwehren“, sagte Habermaier. „Aber auch das verbindet ihn mit Hebel“, so Habermaier in Anspielung auf den großen alemannischen Dichter,  der für seine Bescheidenheit bekannt war.

Yves Bisch zeigte sich stolz und dankbar, diesen Preis entgegennehmen zu dürfen. Zugleich machte er deutlich, dass die Elsässische Sprache immer weiter am Verschwinden ist. Sie werde kaum noch gesprochen, insbesondere nicht von Kinder und Jugendlichen. Damit das Elsässische überleben könne, müsse es überall anwesend sein: „in der Schule, in der Familien, im Fernsehen oder im Netz“, sagte er. „Die Gegner des Elsässischen sitzen nicht in Paris“, so Bisch weiter. Sie sitzen im Elsass. Sogar bei manchen Veranstaltungen in elsässischer Sprache sei es heute so, dass die Protagonisten im persönlichen Gespräch in Französische wechselten. Das Elsässische entwickle sich allmählich zu einer toten Sprache. „Viel wird über das Verschwinden des Elsässischen gesprochen, aber oft auf Französisch.“

Yves Bisch setzt sich auf vielerlei Weise für den Erhalt der elsässischen Sprache ein. So unterrichtet er Altenpflegerinnen und Altenpfleger in Elsässisch. Ihm ist bei Besuchen in Pflegeheimen aufgefallen, dass viele demente und kranke Menschen das Französische, das sie viele Jahre sprachen, vergessen und nur noch ihrer Muttersprache mächtig sind. Doch die jüngeren Pflegerinnen und Pfleger kennen das Elsässische oft nicht mehr und verstehen die Pflegebedürftigen nicht. Bisch will mit dem Elsässisch-Unterricht auch die alten Menschen aus ihrer Isolation holen.

In seiner Rede hob Bisch hervor, dass das Elsässische gerade in der Grenzregion zu einem Integrationsfaktor werden könne. „Der Rhein trennt uns zwar, doch wir können Brücken bauen.“ Er plädierte dafür, die Kinder zu lehren, diese Brücken zu überschreiten. „Aber nicht nur Richtung Europapark oder Aldi.“

Und ganz am Ende kam er auf Hebel zu sprechen, der ihm auch mit Blick auf das Verschwinden des Elsässischen Trost spende: „Bald denk i, s’isch es bösi Zit und weger s‘End isch nümme wit; bald denk i wider: Loß es goh, wenn’s gnueg isch, wird’s scho anderst cho.“


Der Autor Franz Littmann hob in seiner Festrede hervor,  wie wichtig Hebel die Bildung war – auch auf seinen Reisen. „Er sah im Reisen eine Möglichkeit, den  Erfahrungsraum zu erweitern“, sagte Littmann, der sich in vielen seiner Schriften mit Hebel auseinandersetzt. „Er glaubte an den aufklärerischen Sinn des Reisens.“ Hebel sei auch wichtig gewesen, sich auf seinen Reisen von Vorurteilen zu befreien. Littmann zeigte sich skeptisch, ob die heutige Art des Reisens mit einer globalen Infrastruktur von Reiseveranstaltern und Hotels in Hebels aufklärerischem Sinne gewesen wäre. „Es stellt sich hier die Frage, ob diese Art des Reisens nicht eher der Zementierung, statt dem Abbau von Vorurteilen dient“, so Littmann.

Inge Hemberger, die Vizepräsidentin des Hebelbunds, dankte Yves Bisch, Franz Littmann und dem Pianisten Thomas Habermaier mit einem Blumenstrauß.

Die Fotos des folgenden Bilder-Karussells sind von hn

Hebeldankträger

Der Hebeldank des Hebelbundes Lörrach e.V. wird seit 1949 an Persönlichkeiten verliehen, die sich um den Vereinszweck in besonderer Weise verdient gemacht haben, nämlich der „dauernden Würdigung Johann Peter Hebels und Pflege seiner Werke und Sprache
für die gegenwärtige Zeit“ (Satzung in der Fassung vom 22.03.2000). Er besteht in einer bibliophil ausgestatteten Ausgabe von Hebels „Schatzkästlein“ und wird am Hebelsonntag verliehen.

Hier einige Preisträgerinnen und Preisträger des Hebelbundes: 

2019: Pierre Kretz, Schriftsteller aus dem Elsass

2018: Markus Moehring, Leiter des Dreiland-Museums in Lörrach

2017: Bettina Eichin, Künstlerin (Helvetia an der Mittleren Brücke in Basel

2011: Markus Ramseier †, Schriftsteller aus Pratteln

2010: Uli Führe, Dichter und Musiker aus Freiburg

2019: Markus Manfred Jung, Schriftsteller, Vorstand Elsass-Freunde

2018: René Egles, Dichter Liedermacher aus dem Elsass

2003: Gérard Leser, Historikeer und Volkskundler aus dem Elsass

2001: Dr. Beat Trachsler, Historiker, Verleger, Basel

 

 

Lesen Sie dazu auch den Text aus der Badischen Zeitung: 

Preisträger Yves Bisch warnt in Lörrach vor dem sprachlichen Herbst ums Elsässische